Grundsätzlich halten wir, das NopeScope-Team, uns fern davon unsere Meinungen über politische Themen offen beizutragen. Unser Projekt hier sollte nämlich der Unterhaltung dienen. Am 8. März stimmen wir über eine Vorlage ab welche bekanntlich heiss diskutiert wird. Wir, das Team von NopeScope, welches auch irgendwie zu den Medienschaffenden gehört, ist dadurch zwar nicht betroffen, doch wir haben ein gewisses Interesse daran, wichtige Themen „unseres Bereichs“ anzuschneiden. So gibt es heute eine kurze Reise abseits des hirnverblödeten Satire-Mülls rein in die Welt der, äh, Realität. Ja, die gibt es ja auch noch.
Worum geht’s denn?
„200 Franken sind genug!“ ist eine Initiative, welches vorsieht, die Abgabe der SRG-Gebühr (Serafe-Gebühr) von 335.- auf 200.- zu senken. Das Komitee wird hauptsächlich von Nationalräten der SVP und FDP sowie von Vertretern der Jungfreisinnigen geführt, wobei der Anteil von SVP-Nationalräten mit Abstand den grössten Teil ausmacht. Die FDP selbst spricht sich jedoch für eine Ablehnung der Initiative aus – es sind somit „nur“ eine Auswahl von FDP-Vertretern welche die Initiative befürworten. Die Initianten bestreben durch die Senkung der Gebühren eine „Entlastung“ der Bürger, indem diese auf der Serafe-Rechnung nun 135.- weniger stehen hätten. Ausserdem sei es ungerecht, dass alleine lebende Personen gleich viel zu bezahlen hätten wie ein mehrköpfiger Haushalt. Man kennt es nicht, ein mehrköpfiger Haushalt hat ja auch für jeden Bewohner einen eigenen Fernseher bereit. Von der Abgabe ganz befreit sollen Unternehmen, juristische Personen und Personengesellschaften werden. Was ist eine Personengesellschaft? Eine Personengesellschaft sind mindestens zwei Personen, welche gleiche Interessen vertreten und ihre eigenen (finanziellen) Mittel dafür aufbringen um ihr gemeinsames Ziel zu erreichen. Dass Unternehmen und Personengesellschaften keine Serafe-Gebühren zahlen sollen sehen wir von NopeScope auch ein.

Ist die SRG „links“?
Die Initianten argumentieren ebenfalls damit, dass die SRG den Hauptauftrag, nämlich die Erfüllung des „service public“, auch mit der Senkung der Gebühren noch problemlos ausführen könne. Ein weiterer Punkt, an dem sich vorallem die SVP stört, soll die überwiegend „politisch linke Ausrichtung der SRG-Korrespondenten“ sein. Wie praktisch dass es dazu eine Studie der Uni Zürich UZH gibt. Die UZH kam 2023 zum Schluss, dass das SRF ziemlich in der Mitte und somit unparteiisch liegt.
“Our study shows that most media position themselves neither on the left nor right of the political spectrum, but relatively close to the center. This is true in particular for the high-reach public media SRF and RTS as well as the commuter papers 20 Minuten/20 Minutes, which present themselves as impartial reporters,” says Linards Udris, author of the study and deputy head of research at the fög.“

„Unsere Studie zeigt, dass sich die meisten Medien weder links noch rechts im politischen Spektrum positionieren, sondern relativ nahe der Mitte. Dies gilt insbesondere für die reichweitenstarken öffentlich-rechtlichen Sender SRF und RTS sowie die Pendlerzeitungen 20 Minuten/20 Minutes, die sich als unparteiische Reporter präsentieren“, sagt Linards Udris, Autor der Studie und stellvertretender Forschungsleiter des fög.“
Die Begründung mit der „linksorientierten SRG“ ist somit wohl widerlegt. Übrigens: Der Chefredakteur der rechts orientierten Zeitung „Weltwoche“ ist niemand geringeres als der ehemalige SVP-Nationalrat Roger Köppel. Wer das ist und was er so treibt könnt ihr selber nachschlagen.
Übrigens: Die Statistik scheint darzustellen, dass unsere Medienlandschaft linkslastig wäre. Wenn wir die Auflagen der Blätter vergleichen sieht es anders aus. Die WOZ vertrieb 2025 etwas über 19’000 Exemplare an 0,098 Mio. Leser. Bei der Weltwoche waren es 2018 rund 45’500 Exemplare bei 0.193 Mio Lesern. Der SonntagsBlick vertrieb 2025 knappe 75’000 Exemplare und die NZZ 79’000 Exemplare. Eine genauere Auswertung würde jetzt hier den Rahmen sprengen.
Ein paar Berechnungen…
Wir holen mal kurz einen Taschenrechner hervor: 135.- pro Jahr, geteilt durch 12, ergibt 11.25.-. Das sind also etwas mehr als 11 Franken pro Monat, welche man durch die Senkung der Serafe-Gebühren sparen könnte. Das reicht gerade einmal für ein Spotify-Abo oder 300g Rindsgeschnetzeltes bei der Migros. Durch die Serafe-Abgaben wurden 2024 1,37 Milliarden Franken eingenommen. 1,25 Milliarden Franken davon gingen an die SRG. Die SRG wäre bei einer Annahme der Initiative übrigens nicht einziger Verlierer: Lokalradios und Regionalfernsehen erhalten durch die Serafe rund 81 Millionen Franken.
Dem Komitee, welches überwiegend aus SVP-Leuten besteht, ist es also wichtig, das Volk finanziell zu entlasten. Mit ganzen 11.- pro Monat – was für eine atemberaubende Entlastung. Nun, zum Glück gibt es gleichzeitig zur Initiative der SRG-Beschneidung auch eine Initiative zur Gleichbesteuerung von Ehepaaren. Beispiel: Ein Mann verdient 100’000.- zu einem Steuersatz zu 25%, dann zahlt dieser 25’000.- Steuern. Eine Frau verdient 90’000.- zu einem Steuersatz von 22% und zahlt somit 19’800.- Steuern. Beides zusammengerechnet wäre das also 44’800.-. Nun heiraten diese beiden und geraten somit in die sogenannte „Heiratsstrafe“, heisst die Einkommen beider Parteien wird zusammengezählt, was in unserem Fall also 190’000.- betragen würde. Dadurch verändert sich jedoch durch die Steuerprogression der Steuersatz auf 32%, was eine Steuerrechnung von 60’800.- statt 44’800 zur Folge hätte. Die verwendeten Steuersätze sind natürlich erfunden, aber die Steuerprogression führt dazu, dass ein höheres Einkommen auch einen höheren Steuersatz zur Folge hat. Die Initiative dazu wäre also eine Entlastung für das hart arbeitende Ehepaar, welches die SVP doch so gerne mit der SRG-Initiative finanziell unterstützen will. Ah die SVP ist gegen die Abschaffung der Heiratsstrafe da der Aufwand zu gross wäre? Gäbe es denn keine andere Lösung zur Entlastung? Moment, wie wäre es also wenn wir einen Mindestlohn einführen würden um arme Menschen vor Ausbeutung zu schützen und um finanzielle Stabilität zu gewährleisten? Ah die SVP ist dagegen weil es „schädlich“ wäre und sozialistisch ist?
Der SVP-Medien-Eisberg ganz kurz angekratzt
Ihr seht was unsere Aussage ist – die Beschneidung der SRG hat rein gar nichts mit der „finanziellen Unterstützung“ unserer Bürger zu tun. Es geht rein nur darum, der SRG, welche dem Initiativ-Komitee ein Dorn im Auge ist, finanziell zu schwächen. Es ist auch bekannt dass sich Christoph Blocher, einer der bekanntesten Namen innerhalb der SVP, ein kleines Medienimperium aufgebaut hat, indem er etliche Lokalzeitungen und Magazine aufgekauft hatte. Seine Firma heisst übrigens „Swiss Regiomedia“. Somit könnte man durch den Vorstoss gegen die SRG behaupten, dass Blocher bzw. die SVP deren Einfluss und Reichweite ausbauen wolle. Auch ist nicht unbekannt dass es andere Medienhäuser gibt welche die Nähe zur SVP suchen, wie zum Beispiel die „Weltwoche“ mit dem Herrn Köppel. Ah ja stimmt, Köppel war ja SVP-Nationalrat…

NopeScope Fazit:
Wir zahlen jetzt schon weniger als einen Franken pro Tag für einen Service, welcher bedeutender ist als man zuerst glauben mag. Die SRG ist gesetzlich dazu verpflichtet, seriös und wahrheitsgetreue Informationen auszuwerten und zu vermitteln. Die SRG wird bei ihrer Arbeit sogar kontrolliert was bei allen anderen Medienhäusern nicht geschieht. Somit gibt es auch kein BlaBla über eine politische Richtung innerhalb der SRG oder sonst was. Die SRG ist unser einziges Medium, welches uns vor Falschinformationen, verzogenen Halbwahrheiten und Fake-News beschützt. Wenn wir dieses Medium schwächen, wird es leichter werden, dass sich problematische Falschinformationen verbreiten. Wir sehen es selber schon auf den Sozialen Medien wie unfassbar rasend schnell KI-Videos verbreitet werden welche sehr kritische Inhalte innehalten. Solche Falschinformationen sind Gift für eine funktionierende Demokratie. Auch wenn man keine SRF-Dienste konsumiert – JEDER zieht daraus einen Vorteil eine wahrheitsgetreue Quelle zu haben. Niemand kann abstreiten, dass man von einem Verlust dieses Dienstes nicht eingeschränkt wäre.
In unseren Augen sind Vertreter und Befürworter der SRG-Initiative Freunde der Autokratie, in welcher man gezielte Falschinformationen an eigene Leser und Anhänger unterjubeln will und um politische Gegner zu schwächen, indem man die eigene Position stärkt. Am Ende hat keiner der Medien gewonnen, aber das Volk hätte die wichtigste Vertrauensquelle verloren.
Die SRG ist dazu verpflichtet, unsere Kultur mit eigenen Programmen zu wahren. Die SRG fördert Schweizer Musiktalente und in der Schweiz produzierte Filme und Serien. Die SRG produziert Inhalte welche unser vielfältiges Land in seiner vollen Pracht präsentiert. Die SRG ist auch das einzige Medium, welches alle unserer vier Landessprachen bedient – auch Rätoromanisch.
Sind 200 Franken also genug? Wenn man alle Kultursendungen weg und wirklich nur die Nachrichtensendungen haben will, dann vermutlich ja. Wenn man die SRG so unterstützen will wie wir sie heute kennen und schätzen MÜSSEN, wer unser Land liebt und auch davon etwas sehen und lernen will, dann gehört am 8. März definitiv ein NEIN in die Wahlurne!
Quellen:
https://swissregiomedia.ch/medien
https://www.news.uzh.ch/en/articles/media/2023/foeg-media-study.html
https://www.svp.ch/aktuell/kampagnen/srg-initiative-200-franken-sind-genug
https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Zürcher_Zeitung
https://de.wikipedia.org/wiki/SonntagsBlick
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Weltwoche
https://de.wikipedia.org/wiki/WOZ_Die_Wochenzeitung
https://www.youtube.com/watch?v=sjvecrtxHdE&t=5s
https://www.youtube.com/watch?v=uliR4JU19Ns&t=2s




